Durch die Quellbereiche der Flüsse
Prims und Nied umschrieben, liegt die Siedlungskammer
um den Ringwall von Otzenhausen geografisch betrachtet
am Südrand des Schwarzwälder Hochwaldes, eines
Teils der als Hunsrück bezeichneten Mittelgebirgsregion
zwischen Koblenz, Mainz und Trier.
Voreisenzeitliche Fundstellen sind in
der Region nur selten anzutreffen, was vor allem durch
die klimatischen Bedingungen und die geringe Bodengüte
erklärbar sein dürfte. Diese boten - aus ökonomischer
Sicht betrachtet - nur wenig Anreiz, sich in der Region
dauerhaft anzusiedeln. Wenige Einzelfunde der jungsteinzeitlichen
Phase und ein Scherbenfund der so genannten Hoguette
Keramik, lassen an Streifzüge oder saisonale Ansiedlungen
des damaligen Menschen in die Region denken ,weniger aber
dauerhafte Siedlungen vermuten. Bronzezeitliche Fundstellen
fehlen bislang gar gänzlich im Untersuchungsgebiet.
Um so verwunderlicher ist es, dass im
5. Jhdrt. v. Chr. die Region um Otzenhausen urplötzlich
in die Geschichte eintritt und dies mit einer Intensität,
die sich in kostbaren Funden ausdrückt, die zu den
wertvollsten Hinterlassenschaften der Eisenzeit gehören.
Neben der Befestigung auf dem Dollberg sind Fundorte wie
die der Adelsgräber von Schwarzenbach, Weiskirchen
und Gehweiler nicht nur dem Archäologen ein Begriff.
Die Ursachen hierfür liegen in den
lokalen Eisenerzvorkommen begründet. Sie führten
zur einer weiträumigen Erschließung der Mittelgebirgsregion
zwischen Rhein und Mosel im 5. Jhrdt. v. Chr. Zahlreiche
Gräberfelder weisen auf eine recht intensive Besiedlung
hin, deren wirtschaftliche Orientierung neben der Landwirtschaft,
auf die Ausbeutung des Eisenerzes, ausgerichtet ist. Im
Umfeld von Otzenhausen treten diese Erze in Form von Rot-
und Spateisenstein zu Tage. Prägend für die
Mikroregion sind die genannten Lebacher Eiern
(Abb. 1), ein Toneisenstein des Perms (290-240 Mio. Jahre),
der sich diskusscheibenförmig um ehemals organische,
heute fossile Substanzen gebildet hat.
Das neue Metall, das Eisen, bot neben seiner größeren
Härte den Vorteil, dass er in großen Mengen
verfügbar war. Die in Aussicht stehenden, wirtschaftlichen
Fortschritte, führten zur intensiven Erschließung
der Hochwaldregion im 5. Jhdrt. v. Chr. Ausgedehnte Eisenvorkommen
und ausgedehnte Wälder als Rohstoff für Holzkohle
boten gute Voraussetzungen für eine blühende
Eisenverarbeitung, deren Geschichte bis im die Neuzeit
( 19.Jhdrt. n. Chr.) reicht und die Vorgeschichte für
die spätere Eisenhütten an der Saar und Blies
bildete. Kaum ein Gebiet eignet sich besser zur Verdeutlichung
dieses grundlegenden Wandels in der Wirtschafts- und Siedlungsgeschichte
als die Mikroregion um den Hunnenring bei Otzenhausen.

Abb1: Das Gold der Kelten am Ringwall von
Otzenhausen.
Eisenerzknollen in Form von Lebacher Eiern.
(Foto Fritsch)
Verschwindend wenigen älteren Fundpunkten
steht eine Vielzahl von über 100 eisenzeitlichen
Fundstellen innerhalb eines nur wenige Kilometer Durchmesser
zählenden Kreises um den Ringwall von Otzenhausen
gegenüber (s. Abb. 2)
Diese bieten eine gute Grundlage für die wissenschaftliche
Arbeit im Forschungsprojekt Ringwall von Otzenhausen
der Terrex gGmbH. Dessen Ziele sind nicht nur auf die
Erforschung der Befestigungsanlage hinsichtlich ihrer
Siedlungsstruktur und - dynamik beschränkt. Sie beinhalten
vielmehr auch siedlungsarchäologische Untersuchungen
ihres Einzugsgebietes. Hierdurch soll die Rekonstruktion
eines umfassenden Bildes der Vergangenheit ermöglicht
werden. Diese sollte möglichst alle Bereiche der
keltischen Kultur (Wirtschaft - Gesellschaft - Religion
und Kunst) mit einbeziehen, aber auch die historischen
Abläufe und den kulturellen Wandel zu Beginn der
gallorömischen Kultur (Romanisierung) klären
helfen. Zur Lösung dieser Fragen ist eine Hinzuziehung
benachbarter Wissenschaftszweige unumgänglich und
auch gewünscht.

Abb. 2: Verbreitung keltischer (orange)
und römischer ( schwarz)
Fundstellen um den zentral gelegenen Ringwall von Otzenhausen.
( Innerer Kreis 4km, äußerer Kreis 8km Entfernung).
Copyright Terrex.
Die Bedeutung des Ringwalles als Verwaltungs-
und/ oder Fürstensitz liegt auf der Hand, ist jedoch
bislang wissenschaftlich nicht belegbar. Lediglich 3-4
% seiner 18,5 ha umfassenden Fläche sind untersucht.
Nach ersten Ausgrabungen im Jahre 1883 unter Frdr. Hettner
fanden 1936-1940 erste systematische Ausgrabungen unter
W. Dehn statt, denen seit 1999 neue Ausgrabungen unter
dem Archäologen Dr. Thomas Fritsch und seinem Team,
folgten.
Im Umfeld des Ringwalles Otzenhausen führte
das Projekt Ringwall von Otzenhausen bislang
Untersuchung am Hügelgräberfeld von Schwarzenbach
In der Kripp durch, einer Nekropole der jüngeren
Phase der sog. Hunsrück-Eifel-Kultur des 5. - 4.
Jhdrt. v. Chr. Ein Adelsgrab dieser Nekropole weist zusätzlich,
neben den altbekannten Prunkgräbern von Schwarzenbach,
Sitzerath, Hermeskeil-Rascheid und Oberlöstern, auf
die Bedeutung des Ringwalles als Sitz eines Fürsten,
hin.
Überhaupt zählen die beiden
, bereits im 19. Jhdrt. entdeckten Fürstengrabhügel
von Schwarzenbach ( Abb. 3) zu den archäologischen
Highlights der Keltischen Welt. Ein vermutlich drittes
Adelsgrab aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert, lässt
sogar an eine über Jahrhunderte belegte Adelsnekropole
denken.

Abb. 3: Weltberühmt nicht nur bei
Archäologen.
Die Goldschale aus Fürstengrab 1 von Schwarzenbach.
Neben der Befestigung und den Adelsgräbern
bildet der gallorömische Tempelbezirk von Schwarzenbach
Spätzrech das dritte archäologische
Highlight der Siedlungskammer um Otzenhausen. Auf keltische
Vorgängerbauten fußend, setzt sich dieser Bereich
aus zahlreichen Bauten zusammen, die teils als Tempel,
teils als Unterkünfte, Herbergen, Handwerksstätten
etc. zu interpretieren sind. Fortlaufende Geophysikalische
Prospektionen der Uni Karlsruhe, Fachrichtung angewandte
Geophysik, helfen hierbei das Bild zu erhellen.
Eine erste Sondierung (Abb. 4)einer bislang
nicht näher datierbaren Schanzanlage bei Hermeskeil
und nur 3 km vom keltischen Ringwall entfernt gelegen,
scheint sich zu einem neuen Highlight zu entwickeln. Zwar
konnten Funktion und Datierung noch nicht abschließend
geklärt werden, jedoch lassen die wenigen Funde und
Befunde zwei Erklärungen als möglich erscheinen.
Hat es sich hierbei um ein römisches Militärlager
gehandelt, so wäre dies eine gute Chance zur Klärung
der historischen Geschehnisse um den Ringwall zur Zeit
der gallischen Kriege unter Julius Caesar( 58-51 v. Chr.).
Andererseits könnte es sich aber auch um ein keltisches
Adelsgehöft in Art einer Viereckschanze gehandelt
haben. Mit Spannung werden weitere Untersuchungen erwartet!

Abb. 4: Ausgrabungsszene Schanzanlage Hermeskeil
2005.
Zur Bewehrung wurde ein Erdwall mit vorgelagertem Spitzgraben
angelegt.
Unterstützt durch fortlaufende Sondierungen
des umliegenden Geländes, durch eine rege Prospektionstätigkeit
und durch ergänzende Luftbildprospektion erschließt
sich das antike Bild der Region mehr und mehr dem Forschenden
und wird in naher Zukunft sicher noch für manche
Sensation sorgen!