- Archäologie -

Archäologische Zielsetzung

Alle Aktivitäten dienen dem Projektziel der Erforschungen des keltischen Siedlungsraumes um die zentrale Befestigung „Hunnenring“ von Otzenhausen. Im Nordosten durch die kargen Höhenzüge des Dollbergrückens nahezu befundleer, dehnt sich das fundreiche Einzugsgebiet vornehmlich in südöstliche bis nordwestliche Richtung aus.
Mit der Untersuchung dieses Einzugsgebietes erhoffen sich die Forscher eine Rekonstruktion des historischen Siedlungsraumes zur Eisenzeit mit all seinen Facetten.
Hierbei stehen die Hinterlassenschaften der keltischen Kultur in allen ihren Bereichen wie Wirtschaft, Gesellschaft, Kunst und Religion im Mittelpunkt.
Durch die Miteinbeziehung älterer und jüngerer Zeitepochen werden Fakten aus ihrer zeitlichen Isolation in ein gesamthistorisches Entwicklungsbild hinein gesetzt.
Dessen Verständnis wird oftmals erst durch Hinzuziehung weiterer Forschungsfelder, bzw. deren Betrachtungsweise der historischen Abläufe vertieft. Aus diesem Grund werden Kooperation mit anderen Wissenschaftszweigen angestrebt. Geologische, klimatische, zoologische, topografische und hydrografische Untersuchungen stehen hierbei im Mittelpunkt. Interessierte Wissenschaftler aus diesen und weiteren, ergänzenden Sparten werden gebeten, sich mit der Projektleitung in Verbindung zu setzen !

Bestehende Kooperationen mit den Fächern Geologie und Geophysik der Universität Karlsruhe und dem Helms Museum Hamburg haben hierzu bereits erste wichtige Erkenntnisse beigetragen.

Archäologische Ausgrabungen am Ringwall von Otzenhausen

Nachdem 1883 erstmals unter Friedrich Hettner und 1936-39 unter Wolfgang Dehn, beide Provinzialmuseum Trier, gegraben wurde, finden seit 1999 neue wissenschaftliche Ausgrabungen der Terrex gGmbH unter Dr. Thomas Fritsch und cand. Phil. Michael Koch (ab 2005) statt. Die durchgeführten Ausgrabungen erbrachten bislang zahlreiche neue Erkenntnisse zur Besiedlung der Anlage.


Grabungszene Zentralfläche, 1936.


Im Zuge der neuer Grabungen wurden und werden Teile der zentralen Innenbesiedlungsfläche der Befestigungsanlage untersucht. Dabei wurden zahlreiche Pfostenstellungen von Wohnbauen dokumentiert, die zumeist in die Spätphase der Befestigung datieren. Grabungen unmittelbar hinter der mächtigen Nordmauer erbrachten die Erkenntnis, dass auch die peripheren Innenbereiche der Anlage besiedelt waren.


keltische Münzen, Ringwall

Untersuchungen im Bereich eines römischen Tempelchens belegen eine zeitlich wohl ausgedehntere Nutzung dessen, als bisher durch die Altgrabungen bekannt geworden war. Das Auffinden rituell angelegter Opfergruben erlaubt einen differenzierteren Einblick in die religiösen gallo-römischen Kulthandlungen.


Plan des Ringwalls Otzenhausen mit Eintragung Altgrabungen (blau) und Neugrabungen (rosa). Bereich der alten Torgrabung mit neuen Nachuntersuchungen (grün).

Sondierungen des Bergplateaus außerhalb der Befestigung dienen der Lokalisierung einer eventuell vorhandenen Außenbesiedlung, von Wegeführungen und Gräber. In dem ausgedehnten Waldgebiet stoßen diese Untersuchungen bislang jedoch auf räumliche Grenzen, die eine systematische Untersuchung des Bereiches nicht zulassen.


Eiserne Waffenfunde, Ringwall.

Durch weitere Sondierungen im Bereich der Vorburg erhoffen sich die Wissenschaftler eine Klärung deren Funktion.

Eine noch ausstehende Auswertung wird die vorgenannten Aussagen wissenschaftlich untermauern. Bislang muss sich die Fachwelt jedoch auf die jüngst erschienene Auswertung der Altgrabungen 1936 - 39 des rheinischen Landesmuseums Trier durch M. Wiegert, Uni Kiel ( s. Literatur), zurückgreifen.

Ausgedehnte Prospektionen in und um die Anlage erbrachten Informationen über die topografischen Feinheiten, welche mitunter Rückschlüsse über die Geländenutzung - vornehmlich zu Siedlungszwecken - erlauben.


Auswahl keltischer Keramik, Ringwall.

Neben der Zusammenarbeit mit dem staatlichen Konservatoramt Saarbrücken sei auch der Universität Hamburg, vornehmlich Herrn Dr. M. Merkel für ihre Unterstützung gedankt; ebensolchen Dank veridenten die Europäische Akademie Otzenhausen mit Herrn M. Matern, die Gemeinde Nonnweiler, das saarländische Ministerium für Umwelt, der Saarforst Landesbetrieb Nordsaar, sowie das Landesarbeitsamt des Saarlandes. Ohne diese Gönner und die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer hätten keine Ausgrabungen stattfinden können.


Grabungsszene Ringwall Otzenhausen.



Archäologische Ausgrabungen im Umfeld des Ringwalles Otzenhausen

Im Umfeld des „Hunnenrings“ wurden in den Jahren 2001-2003 die Reste eines stark durch Ackerbau in Mitleidenschaft gezogenen Hügelgräberfeldes der Hunsrück-Eifel-Kultur in Schwarzenbach „In der Kripp“ untersucht.
Die Rettungsgrabung mehrerer Körpergräber sicherten die Reste von mindestens 9 Gräbern in vier oder mehr zerstörten Grabhügeln. Hierdurch konnten wichtige Nachweise über die Bewohner und Anwohner des Ringwalles vor der Zerstörung gerettet werden..

Eine während dieser Ausgrabungen beobachtete Strasse liefert wichtige neue Erkenntnisse zur antiken Wegeführung.


Schwarzenbach, "In der Kripp", Bergung eines Gefässes.


Die Luftbildarchäologie

Seit 2003 werden Luftbildbefliegungen des Arbeitsraumes durchgeführt. Die Befliegungen mittels eines Ultraleichflugzeuges führten zu einer enormen Erweiterung des Denkmalbestandes.
Nicht nur dass bekannte, aber nicht mehr genau lokalisierbare Denkmäler wiederentdeckt wurden. Es wurden auch zahlreiche neue Denkmäler hinzu gewonnen. Dazu zählen Gräberfelder, Siedlungen und handwerkliche Produktionsstätten. Eine antike Wegetrasse kann mittlerweile von ihrer Anbindung an die Hunsrück-Höhenstrasse über Hermeskeil-Otzenhausen-Schwarzenbach bis nach Bosen verfolgt werden. In Zusammenarbeit mit regelmässigen Prospektionen ( Feldbegehungen) verdichtet sich das Bild der vorgeschichtlichen Fundstellen im Arbeitsraum zusehends mehr und mehr.



Braunshausen, Gebäudegrundriss. Foto Fritsch


Weitere archäologische Tätigkeit

Basierend auf Luftbildbeobachtungen werden seit 2003 geophysikalische Messungen im Bereich Schwarzenbach „Spätzrech“ durchgeführt. Sie dienen der Untersuchung unterirdischer, im Luftbild erkannter, vermutlicher Baubefunde, die evtl. mit dem bekannten, keltischen / gallo-römischen Tempelbezirk in Verbindung stehen. Das Institut für Geophysik der Universität Karlsruhe vermisst eine vorgegebene Fläche mittels verschiedener Methoden wie Geoelektrik, Geomagnetik und Georadar.
Eine für 2005 geplante archäologische Sondierung wird auf Basis dieser geophysikalischen Untersuchungen durchgeführt. Sie dient der Klärung der Messergebnisse und der Luftbildbeobachtung im Befund.


Schwarzenbach, "Spätzrech". Luftbild mit vermutl. Gebäudestrukturen. Foto Fritsch.

Dank gilt besonders Herrn Prof. Wilhelm und Herrn Dr. Merkler von der Universität Karslruhe für ihr großes Engagement.


Georadarmessungen, Schwarzenabch "Spätzrech". Foto Fritsch

Unterstützung findet die archäologische Arbeit minunter auch in Wissenschaftsbereichen, die ansonsten nur sehr wenig miteinander zu tun haben. So geschehen bzgl. einer dreidimensionalen Darstellung der Altgrabungsbefunde von 1936-39 an der FH Kaiserslautern, durch M. Fuchs.


Dreidimensionale Toransicht, erstellt nach Grabungsplan. Grafik M. Fuchs.