Die Archäologische Siedlungskammer Otzenhausen


Plan der Siedlungskammer um Otzenhausen, nach A. Haffner, 1976.

Durch die Quellbereiche der Flüsse Prims und Nied umschrieben, liegt die Siedlungskammer um den Ringwall Otzenhausen geografisch betrachtet am Südrand des Schwarzwälder Hochwaldes, eines Teils der als Hunsrück bezeichneten Mittelgebirgsregion zwischen Koblenz, Mainz und Trier.


Voreisenzeitliche Fundstellen sind in der Region nur selten anzutreffen, was vor allem durch die klimatischen Bedingungen und die geringe Bodengüte erklärbar sein dürfte.


Jungsteinzeitliche Hoguette Keramik
Jungsteinzeitliche Hoguette Keramik von Schwarzenbach. Zeichnung T. Fritsch

Diese boten - aus ökonomischer Sicht betrachtet - nur wenig Anreiz, sich in der Region dauerhaft anzusiedeln. Wenige Einzelfunde der jungsteinzeitlichen Phase und ein Scherbenfund der so genannten „Hoguette“ Keramik, lassen an Streifzüge oder saisonale Ansiedlungen des damaligen Menschen in die Region denken, weniger aber dauerhafte Siedlungen vermuten. Bronzezeitliche Fundstellen fehlen bislang gar gänzlich im Untersuchungsgebiet.


Um so verwunderlicher ist es, dass im 5. Jahrhundert vor Christus die Region um Otzenhausen urplötzlich in die Geschichte eintritt und dies mit einer Intensität, die sich in kostbaren Funden ausdrückt, die zu den wertvollsten Hinterlassenschaften der Eisenzeit gehören. Neben der Befestigung auf dem Dollberg sind Fundorte wie die der Adelsgräber von Schwarzenbach, Weiskirchen und Gehweiler nicht nur dem Archäologen ein Begriff.


Schwarzenbach, "In der Kripp". Grabungssitaution im keltischen Hügelgräberfeld. Foto Terrex
Schwarzenbach, "In der Kripp". Grabungssitaution im keltischen Hügelgräberfeld. Foto Terrex

Verschwindend wenigen älteren Fundpunkten steht eine Vielzahl von über 100 eisenzeitlichen Fundstellen innerhalb eines nur wenige Kilometer Durchmesser zählenden Kreises um den Ringwall von Otzenhausen gegenüber.
Diese bieten eine gute Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit im Forschungsprojekt „Ringwall von Otzenhausen“ der Terrex gGmbH. Dessen Ziele sind nicht nur auf die Erforschung der Befestigungsanlage hinsichtlich ihrer Siedlungsstruktur und - dynamik beschränkt. Sie beinhalten vielmehr auch siedlungsarchäologische Untersuchungen ihres Einzugsgebietes. Hierdurch soll die Rekonstruktion eines umfassenden Bildes der Vergangenheit ermöglicht werden. Diese sollte möglichst alle Bereiche der keltischen Kultur (Wirtschaft - Gesellschaft - Religion und Kunst) mit einbeziehen, aber auch die historischen Abläufe und den kulturellen Wandel zu Beginn der gallo-römischen Kultur (Romanisierung) klären helfen. Zur Lösung dieser Fragen ist eine Hinzuziehung benachbarter Wissenschaftszweige unumgänglich und auch gewünscht.

Die Bedeutung des Ringwalles als Verwaltungs- und/ oder Fürstensitz liegt auf der Hand, ist jedoch bislang wissenschaftlich nicht belegbar. Lediglich 3 - 4 % seiner 18,5 ha umfassenden Fläche sind untersucht. Nach ersten Ausgrabungen im Jahre 1883 unter Frdr. Hettner fanden 1936-1940 erste systematische Ausgrabungen unter W. Dehn statt, denen seit 1999 neue Ausgrabungen unter T. Fritsch folgten.

Im Umfeld des Ringwalles Otzenhausen führte das Projekt „Ringwall von Otzenhausen“ bislang Untersuchung am Hügelgräberfeld von Schwarzenbach „In der Kripp“ durch, einer Nekropole des 5. - 4. Jahrhundert vor Christus durch. Ein Adelsgrab aus dieser Nekropole weist zusätzlich, neben den altbekannten Fürstengräbern von Schwarzenbach, Sitzerath und Oberlöstern, auf die Bedeutung des Ringwalles als Fürstensitz hin.


Überhaupt zählen die beiden, bereits im 19. Jahrhundert entdeckten Fürstengrabhügel von Schwarzenbach zu den archäologischen Highlights der Keltischen Welt. Ein vermutlich drittes, späteres Fürstengrab, lässt sogar an eine über Jahrhunderte belegte Adelsnekropole denken.

Goldschale des Fürstengrabes 1 von Schwarzenbach



Goldschale des Fürstengrabes 1 von Schwarzenbach



Henkeldetail einer etruskischen Schnabelkanne, Fürstengrab 2 von Schwarzenbach
Henkeldetail einer etruskischen Schnabelkanne, Fürstengrab 2 von Schwarzenbach

Neben Befestigung und Adelsgräbern bildet der gallo-römische Tempelbezirk von Schwarzenbach „Spätzrech“ das dritte archäologische Highlight der Siedlungskammer um Otzenhausen. Auf keltische Vorgängerbauten fußend, setzt sich der Bezirk aus zahlreichen Bauten zusammen, die teils als Tempelbauten, teils als Unterkünfte, Herbergen etc. gedeutet werden können. Fortlaufende Geoprospektionen der Uni Karlsruhe helfen hierbei das Bild zu erhellen.

Unterstützt durch fortlaufende Sondierungen des umliegenden Geländes, durch eine rege Prospektionstätigkeit und durch ergänzende Luftbildprospektion erschließt sich das antike Bild der Region mehr und mehr dem Forschenden.

Luftbild der Tempelgrabung in Schwarzenbach "Spätzrech", um 1983. Foto M. Wolff
Luftbild der Tempelgrabung in Schwarzenbach "Spätzrech", um 1983. Foto M. Wolff